
Über 100 Mitglieder der Marketing-Clubs Allgäu, Bodensee, Ulm/Neu-Ulm und Augsburg sind nach Altusried gekommen um die Premiere der „Drei Musketiere“ auf der Freilichtbühne zu sehen. Während einer exklusiven Führung durch die Freilichtbühne mit Kulturamtsleiter Adrian Ramjoué (der mit "typisch" allgäuerischem Namen außerdem für Veranstaltungen und Marketing zuständig ist und später im Schauspiel sehr eindrucksvoll den Kardinal Richelieu gab) und Förster und Gemeinderatsmitglied Andreas Sirch (im Stück der betrogene Wirt), erfahren die Marketing-Strategen alles wissenswerte über die lange Tradition des Theaterspielens in Altusried.
Dort werden nämlich seit über 125 Jahren Freilichtspiele aufgeführt, die im Laufe der Jahrzehnte bis weit über die Grenzen des Allgäus hinaus immer populärer geworden sind. Den Altusriedern haben sie den Ruf eingebracht, ziemlich „theaterverrückt“ zu sein, was man gerne glauben mag, sieht man die Begeisterung und das Engagement, die sie für „ihre Spiele“ immer wieder aufbringen. Alle drei bis vier Jahre packe die Bürger regelmäßig die Theaterlust, wenn eine große Produktion anstehe. Wie ein roter Faden ziehe sich dabei das Thema Freiheitskampf quer durch alle Aufführungen, so Adrian Ramjoué.
Mit „Andreas Hofer“ gelang der Freilichtbühne vor genau hundert Jahren ihr Durchbruch. Den haben 1911 gut 12.000 Gäste gesehen, die damals, eine Tribüne gab es noch nicht, auf den Hängen um die Bühne herum saßen. Besonders stolz sind die Altusrieder heute auf ihr Tribünengebäude, das 1999 eröffnet wurde. Unter dem 3165 Quadratmeter großen Tribünendach finden 2500 Zuschauer Platz – immer trocken und mit bester Sicht auf die rund 5000 Quadratmeter große Naturbühne mit Bach, Wiesen, Hügel und Wald. 1997 fiel der entscheidende Beschluss dafür im Gemeinderat und damit das Votum für eine Tribüne in Holz und in der einzigartigen Wellenform, wie sie heute zu bewundern ist. Der Architekt Leopold Mohr aus Altusried übernahm die Bauplanung, Prof. Julius Natterer aus Lausanne, die Tragwerksplanung. Andreas Sirch erklärt den Marketing-Strategen stolz die einzigartige Konstruktion, die von fünf auskragenden, räumlichen Fachwerkträgern aus Rundhölzern mit einem Durchmesser von 30 bis 50 Zentimetern und einer Länge von bis zu 14 Metern getragen wird.
Das Prinzip der regionalen Wertschöpfung wurde vorbildlich umgesetzt, erklärt Sirch. So wurden für den Bau nur einheimisches Holz der Gemeinde verwendet, das von den ansässigen Sägereien und Zimmereien verarbeitet wurde. Die imposante Konstruktion mit dem geschwungenen Dach ist heute ein architektonisches Schmuckstück in der Region. Die Tribüne wurde erstmals bei den Freilichtspielen im Jahr 1999 mit dem „Bauernkrieg im Allgäu“ bespielt. Insgesamt besuchten in den Jahren 1999 bis 2010 über 600.000 Zuschauer die bislang 285 Aufführungen.
Nach diesen eindrucksvollen Ausführungen und einem Rundgang durch die Kulisse für das Schauspiel, der auch bei den Künstler-Garderoben der Hauptdarsteller vorbeiführt, gibt es im VIP-Zelt zur Stärkung einen Sektempfang und ein allgäu-bayerisches Gala-Buffet. Während die Club-Mitglieder schmausen und plaudern, ziehen draußen die Altusrieder Schauspieler vorbei – auf ihrem Weg vom Dorf zur Freilichtbühne. Schön gewandet, mitsamt Pferden, Ochsen und Requisiten. Und dann heißt es endlich: „Einer für alle und alle für einen!“ Das Schauspiel um Liebe, Ehre, Kampf und Intrigen beginnt.
Das Mantel- und Degenspektakel rund um die Musketiere Porthos, Athos, Aramis und d’Artagnan lässt die Besucher in die Zeit des Mittelalters eintauchen: Frankreich 1625. Der junge D’Artagnan aus der Gascogne möchte unbedingt Musketier werden und macht sich auf den Weg nach Paris. Er stellt sich dem Hauptmann der Musketiere Monsieur de Trevillevor, um bei den Musketieren aufgenommen zu werden. Auf seinem Weg durch Paris trifft er mit den drei der bekanntesten Musketieren - Aramis, Athos und Porthos - zusammen, und fordert sie nacheinander zu einem Duell heraus. Doch bevor es zu diesem Duell kommt, werden die vier von Gardisten des Kardinals überrascht. Nach einem siegreichen Kampf bleiben die vier zusammen und versuchen, den König vor dem Komplott des Kardinals Richelieu zu bewahren. Dieser plant, die Königin Anna mit einer früheren Liaison zu Lord Buckingham zu kompromittieren und untergräbt immer mehr die Macht des Königs Ludwig XIII, der dem Kardinal blind vertraut. Die drei Musketiere und D’Artagnan mobilisieren in einem großen Showdown die nötigen Kräfte und setzen Richelieus Macht ein Ende. Schließlich ist auch D’Artagnan am Ziel seiner Reise. Er wird von Louis XIII. zum Musketier geschlagen.
Seit Januar war ganz Altusried dafür im „Degenfieber“. Die Regie für das Spektakel führt Michael Ramjoué (ja ganz recht, der Bruder des Kulturamtsleiters), der den berühmten Roman von Alexandre Dumas für die heimische Bühne umgeschrieben hat. Wie immer wird die altusrieder Eigenproduktion ausschließlich von Bürgern aus Altusried getragen. Etwa 350 der rund 5000 Einwohner wirken auf und hinter der Bühne mit. „Vom Säugling bis zum Senior ist alles vertreten. Und jeder ist mit Begeisterung dabei. Wer nicht mitspielt, schneidert die Kostüme oder baut an der Kulisse mit“, erzählt Adrian Ramjoué und berichtet weiter: " Für die Degenkämpfe musste die 80-köpfige Gruppe der Musketiere und Gardisten mehrere Workshops unter professioneller Anleitung absolvieren. Gekämpft wird mit richtigen Sportdegen. Deshalb können die Schauspieler nicht einfach aufeinander loshauen. Jeder Hieb wurde genau festgelegt.“
Von den „Drei Musketieren, von der eindrucksvollen Produktion, der wunderbaren Atmosphäre auf der Freilichtbühne und der tollen leistung der Laienschauspieler sind die Marketing-Club-Mitglieder, von denen viele zum ersten Mal auf der Freilichtbühne in Altusried waren, absolut hingerissen – und so fällt denn auch der Applaus reichlich und begeistert aus.
Text: Susi Donner. Quelle: Freilichtbühne Altusried
Fotos: Susi Donner