11.05.2011 Gewässerschutz am Bodensee :: Marketing-Club Bodensee e.V.

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Naturraum Bodensee: Beobachten, bewerten, beraten - damit wir sauberes Wasser trinken können

Bodenseewasser aus Flaschen - prickelnd oder still - durften die MCB-Mitglieder im Seenforschungsinstitut verkosten. Insgesamt sind es 4,5 Millionen Menschen, die täglich ihr Trinkwasser aus der Leitung vom Bodensee bekommen. Dr. Herbert Löffler, Biologe, stellvertretender Leiter des Instituts für Seenforschung sowie Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, berichtete von den Aufgaben und Erfolgen des Instituts für Seenforschung in Langenargen.

Zukunftsperspektiven für den Bodensee

Schatzmeister Frank Martin hat den Durchblick
Gastgeber Dr. Herbert Löffler sowieso
Geschäftsführer Jürgen Rockstroh begrüßt die Gäste
Nicole Bayer
Rundgang durchs Institut
Sedimente bestaunen
Ein Blick in eines der Labore
Blicke in die Mikrobiologie
Der Pollen einer Sonnenblume unter dem Rasterelekronenmikroskop
und der einer Haselnuss
Dr. Herbert Löffler zeigt Angela Rockstroh eine mikroskopisch kleine, faszinierende Welt
als Dank für den spannenden Vortrag gibt es für Dr. Herbert Löffler leckeres aus der Region

Das Institut für Seenforschung hat Großartiges erreicht – dennoch: es gibt noch viel zu tun

 

Die Mitglieder des MCB waren eingeladen, das Institut für Seenforschung in Langenargen unter die Lupe zu nehmen.  Gastgeber Dr. Herbert Löffler erzählte ihnen von den Aufgaben des Instituts und seiner wechselvollen Geschichte.

1919 wurde in Konstanz die Anstalt für Bodenseeforschung gegründet. In Langenargen waren es engagierte und vorausschauende Bürger, die 1920 den Verein für Seenforschung und Seenbewirtschaftung, mit Institut in Langenargen, ins Leben riefen. Damals stand die Fischerei noch weit mehr als heute im Mittelpunkt des Interesses, weil der Tourismus noch wenig Bedeutung hatte. Mit viel Idealismus der Vereinsmitglieder überstand das Institut die Kriegswirren. Im Jahr 1960 wurde es verstaatlicht und der baden-württembergischen Kultusverwaltung unterstellt. 1970 wurden die beiden Seenforschungseinrichtungen am See vereint. Seit 1975 gehört das Institut organisatorisch zur in Karlsruhe ansässigen Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Die Aufgaben des Instituts sind vielschichtig – der angewandte Gewässerschutz am Bodensee sowie an 4000 kleineren Seen in Baden-Württemberg gehören dazu. Den 1920 gegründeten Verein gibt es übrigens heute noch und er spielt noch immer eine wichtige Rolle bei der Förderung des Instituts und springt überall dort ein, wo staatliche Mittel nicht ausreichend zur Verfügung stehen

Hätten Sie’s gewusst?

Der Bodensee wurde vor zwölf- bis 15.000 Jahren von Eis und Wasser geformt. Er ist, mit einer Fläche von 534 Quadratkilometern, der zweitgrößte Voralpensee, und hat ein grenzübergreifendes Einzugsgebiet von 11.500 Quadratkilometern, auf dem acht Länder oder Kantone liegen. Er ist 63 Kilometer lang, 14 Kilometer breit und an seiner tiefsten Stelle 254 Meter tief. Mit seinem Volumen von 48,5 Kubikmetern könnte er das ganze Materhorn ausfüllen. Der Bodensee muss das Abwasser  von 3,2 Millionen Menschen „verdauen“ – was ein interessantes Spannungsfeld zu der Tatsache ergibt, dass 4,5 Millionen Menschen aus ihm ihr Trinkwasser beziehen. Der Bodensee ist – völkerrechtlich betrachtet auch grenzenlos: Er ist ein Kondominium (gemeinsames Eigentum), der Anrainerstaaten. Es gibt keine Grenzziehung im gesamten Obersee. Der Bodensee gehört allen oder niemandem. Der Bodensee ist auch ein Magnet: Seit den 50er Jahren hat sich die Bevölkerung an seinen Ufern verdoppelt. Die Konsequenzen daraus: Der See war überdüngt. Ab Mitte der 50er Jahre hatte man festgestellt, dass der Phosphorgehalt kontinuierlich anstieg. Dieser leichte Anstieg ließ bei den Verantwortlichen damals die Alarmglocken läuten. Die Länder und Kantone gründeten die internationale Gewässerschutzkommission. Diese schrieb sich vier Aufgaben auf die Fahnen: Beobachtung des Gewässerzustands, Erforschung der Ursachen seiner Verschmutzung, Empfehlung koordinierter Gegenmaßnahmen, Diskussion der geplanten Nutzungen des Sees. Trotz aller Maßnahmen verzehnfachte sich der Phosphorgehalt. Die Leute damals brauchten einen breiten Rücken, um durchzuhalten, weil die positiven Ergebnisse fehlten, um ihre Handlungen zu begründen. Ihre Ausdauer zahlte sich aus – auch und gerade für uns – heute sind die Phosphatwerte niedrig. Das Geheimnis, so Löffler: Grenzenloses Denken und ganzheitliches Handeln. Heute gibt es 20 Kläranlagen im Einzugsgebiet des Bodensees. Es ist gelungen, den Bodensee vor dem drohenden Kollaps zu retten.

Nun könne man die Frage stellen: Der See ist sauber, was gibt es noch zu tun?

Da wäre einmal Renaturierung des Lebensraumes Ufer. Nur noch 40 Prozent des gesamten Bodenseeufers gelten als naturnah oder natürlich. Das Ziel: Eine seeweite Wiederherstellung einer intakten Ufer- und Flachwasserzone, weil die Natur an sehr vielen Stellen weit zurückgedrängt wurde.

Dazu beschäftigen zunehmend Mikroverunreinigungen die Forscher des Instituts. Röntgenkontrastmittel, Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika oder Hormone bis hin zu Pflanzenschutzmitteln passieren die Kläranlagen und gelangen in den Bodensee. 600 Einzelstoffe wurden nachgewiesen, darunter 62 organische Mikroverunreinigungen. Die Stoffe können zwar nachgewiesen werden, die positive Botschaft laute aber: Es gibt keine Grenzwertüberschreitungen. Allerdings sei noch sehr wenig über das Zusammenwirken dieser Stoffe bekannt. Deshalb gäbe es auch hier Handlungsnotwendigkeiten: Die Kläranlagen müssen aufrüsten, die Verbraucher müssen aufgeklärt werden, problematische Wirkstoffe müssen ersetzt werden.

Die Klimaveränderung sei natürlich auch am Bodensee angekommen. 0,03 bis 0,05 Grad Celsius Temperaturanstieg pro im Jahr höre sich zwar nicht besonders viel an, aber in 30 Jahren sind das schon 1,5 Grad und das sei sehr viel. Spürbar sei der Klimawandel vor allem durch die extremen Wetterlagen, wie die Hochwasser, die sich häufen. Oder das Gegenteil, wie in diesem Jahr: Trockenheit. Im Mai 2011 hatte der Wasserpegel des Bodensees beinahe Rekordtiefstand. Die Wasserstände am See werden seit 200 Jahren gemessen und aufgezeichnet. Normalerweise sei der Pegel im Juni und Juli am höchsten. Ein niedriger Sommerpegel bedeute dann aber ein höherer Winterpegel – also trockene Sommer, regenreiche, statt schneereiche Winter. Die Folgen für den See, wenn es wärmer wird sind enorm. Es bedeutet, das der See, weil seine Durchmischung schlechter wird, sauerstoffärmer wird. Vor allem am Grund bedeute das für die Lebewesen schlechte Karten.

Invasionen von Einwanderern sind auf dem Weg zum Bodensee

Heute ist der Bodensee auch ein Einwanderungsgebiet. In den letzten Jahren habe es einige Neuankömmlinge gegeben, wie beispielsweise 2003 den Großen Höckerflohkrebs, der in acht Jahren den ganzen See besiegelt  und einheimische Arten verdrängt hat. Es sei noch eine ganze Invasion an Neozonen und Neophyten auf dem Weg zum Bodensee. Sie könne nicht verhindert werden, aber mit viel Aufmerksamkeit und den richtigen Maßnahmen kann die Invasion verlangsamt werden. 

Die fünf Prinzipien, die dafür sorgen sollen, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder den Bodensee als Paradies erleben dürfen, so wie wir es können: Nachhaltigkeit, Vorsorge, Minimierung, Verursacherprinzip und internationale Kooperationen. Das Erreichte, so Löffler, ist nicht selbsterhaltend – es muss langfristig gesichert werden. Und das sei das Marketing, das das Institut betreiben müssen: Zeigen was es tut, damit die Menschen verstehen, warum es Not tut.

Die Mitglieder des Marketings-Club Bodensee sowie ihr Geschäftsführer Jürgen Rockstroh waren tief beeindruckt von der Arbeit des Instituts: "Mir war nicht klar, wie riesig das Einzugsgebiet ist. Ebenso ist mir die große Verantwortung bewußt geworden, die jeder Einzelne hat, um den Bodensee gesund zu erhalten."

Text und Fotos: Susi Donner

Das Institut für Seenforschung im Internet: www.lubw.baden-wuerttemberg.de