
Da studieren, wo andere Urlaub machen? Das wäre was! Na dann, willkommen, in Konstanz. Gut, die Stadt ist keine Metropole, dafür sind andere Dinge schlichtweg einzigartig: Die Lage am größten See der Republik. Die Alpen direkt vor der Tür. Wer die Lichter der Großstadt trotzdem mal vermisst, ist in Konstanz nicht am verlorenen letzten Ende von Deutschland, sondern wohnt in der Mitte Europas - ist in weniger als einer Stunde beispielsweise in Zürich. Und als Geheimtipp: Es soll Leute geben, die schon mal schnell zum Kaffeetrinken an den Gardasee düsen - denn Italien ist auch nicht weit. Und wenn wir schon dabei sind: Österreich und Liechtenstein erst recht nicht. So, oder so ähnlich, wirbt die Uni Konstanz um Studenten - und, was in der Werbung nicht selbstverständlich ist, jedes Wort ist wahr davon. Diese Wahrhaftigkeit und die Authentizität, mit der die Universität sich in der Region integriert und sich zudem als Universität profiliert, die für Spitzenforschung steht, für Exzellenz in Lehre und Studium, für Innovation, Kreativität und Freude am Forschen, für Internationalität und interdisziplinäre Zusammenarbeit, sind wohl der Grund dafür, dass sie über einen ausgezeichneten Ruf verfügt. Im Oktober 2007 war die Universität Konstanz beispielsweise im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit ihrem Zukunftskonzept „Modell Konstanz – towards a culture of creativity" erfolgreich. Sie zählt damit zu den neun Universitäten, deren „Zukunftskonzepte zum Ausbau universitärer Spitzenforschung“ von Bund und Ländern gefördert werden. Wie der Marketing-Mix aussieht, mit dem die Universität ihre Zukunft sichert, das erläuterte Julia Wandt in ihrem interessanten Vortrag. Der Marketing-Club Bodensee und die Universität Konstanz, mit Julia Wandt und Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, hatten dazu eingeladen.
Nein, er schaue nicht den ganzen Tag aus dem Fenster, versicherte Professor Dr. Ulrich Rüdiger als er die Mitglieder des Marketing-Clubs Bodensee in der Universität Konstanz begrüßte. „Science in Paradise“ nannte der Rektor das, was in der Universität Konstanz geschehe. Denn wo können Studierende sonst schon eingebettet, in eine so wunderbare Umgebung studieren? Die Universität sei, so Rüdiger, 1966, drei Monate vor seiner Geburt, gegründet worden. Sie war nicht nur als neue Universität gedacht, sondern mit ihr wollten die Gründer auch neue Wege beschreiten. So wurde die Universität Konstanz als Reformuniversität gegründet. Mit flacher Hierarchie, kurzen Wegen, interdisziplinärer Forschung und leistungsorientierter Mittelvergabe, was eine große Dynamik mit sich bringt. Alle Fachbereiche müssen sich auf diese Weise jährlich neu beweisen. Die Uni stehe auch für Forschungs- und Lehrprofile, für Kultur- und Sozialwissenschaften. Sie ist international bekannt, unter anderem durch ihr Prädikat „Exzellenzuniversität“. Angebote Studienrichtungen sind Mathematik und Naturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Geisteswissenschaften. Das an der Universität Konstanz angebotene Studienfach Life Science vermittelt beispielsweise eine anspruchsvolle wissenschaftliche Ausbildung, die gleichermaßen auf den Fächern Chemie und Biologie aufbaut. Die Bezeichnung Life Science bringt zum Ausdruck, dass es sich um ein fächerübergreifendes Studium handelt. Der Studiengang Life Science vermittelt neben den Schwerpunkten der klassischen Biologie und Chemie die Bereiche Molekularbiologie, Biochemie, Biophysik, Bioinformatik, Immunologie, Pharmakologie und Medizin. Selbst die Psychologen arbeiten an der Uni Konstanz sehr wissenschaftsorientiert. Rüdiger präsentierte beeidruckende Zahlen: Über 12.000 Menschen arbeiten am Campus: aktuell 10.081 Studierende, 200 Professoren und 2000 Mitarbeiter der Universität. Wichtig ist dem Rektor, dass die Universität, der Campus, ein Teil von Konstanz sei: „Wir gehören zu Konstanz!“ Seine Überleitung zum Hauptthema: „Die Universität hat den Bereich Marketing für sich entdeckt – denn ohne Marketing geht es auch im Hochschulbereich nicht mehr.“

Julia Wandt erläuterte in ihrem spannenden Vortrag schließlich, weshalb eine Universität heute nicht mehr ohne Marketing auskommt und wie dieses spezielle Hochschulmarketing aussieht. Der Fokus der Universität liege aber selbstverständlich trotzdem immer auf dem Bildungsauftrag und dem Credo: „Freiheit der Forschung und Lehre.“
Das Marketing müsse sich in erster Linie auf das Leitbild der Universität beziehen lassen und muss als strategisches Marketing einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Durch den gewonnenen Exzellenz-Wettbewerb stehe die Uni natürlich umso mehr im Rampenlicht und müsse umso mehr mit Leistung überzeugen. Aufgabe des Marketings sei, interne und externe Zielgruppen von der Universität zu überzeugen. Märkte auf denen die Hochschule agiert sind der Ausbildungsmarkt, der Wissens- und Forschungsmarkt, sowie der Arbeits- und Beschäftigungsmarkt. Als Kunden von Hochschulen werden somit definiert: In der Lehre: Arbeitgeber, Staat und Alumni. In der Forschung: Scientific Community, Gesellschaft, Staat, private Auftraggeber, Unternehmen und öffentliche Organisationen. In der Weiterbildung: Alumni, Arbeitgeber, Unternehmen. Im Wissenstransfer: Interessierte Öffentlichkeit, Region, Stadt, Unternehmen und öffentliche Organisationen. Die Rolle der Studierenden werde dagegen folgendermaßen definiert: Partner im Wissenschaftsprozess, wissenschaftlicher Nachwuchs, Kunden für die Servicebereiche der Uni, Geldgeber über die Studienbeiträge und über die Finanzhilfe der öffentlichen Hand, Alumni und Meinungsführer von morgen, Multiplikatoren und erste Werbeträger für ihre Universität.
Hochschulmarketing diene in erster Linie der langfristigen Existenzsicherung der Universität. Wobei Begriffe wie Qualität vor Quantität, Auslastung aller Kapazitäten, Gewinnung sehr guter Studierenden und ein positives Image in der Öffentlichkeit wichtige Rollen spielen.
Sehr gute Studenten bedeuten hierbei auch passende Studenten, die ein Studium nicht nur beginnen, sondern auch dabei bleiben, und im positiven Fall, nach dem Bachelor noch einen Master-Studiengang anhängen. Um dies zu erreichen, müssen die potentiellen Studierenden wissen, was sie in welchem Studiengang erwartet. So seien beispielsweise viele junge Leute immer wieder überrascht, wenn sie bemerken, wie viel Mathematik zu einem BWL-Studiengang gehört. Ebenso sei der Universität daran gelegen, mehr weibliche Studierende für die Naturwissenschaften zu begeistern. Ein guter Weg, die Studierenden zu erreichen, ist auch für Universitäten Social Media: Internetplattformen wie Facebook und Twitter sind der direkte Draht zu ihnen. 90 Prozent aller Kontakte von Studieninteressierten, werden über die Web-Seite der Uni generiert.
In der anschließenden sehr angeregten Diskussion erfahren die MCB-Mitglieder, dass Julia Wandt im Februar 2010 über eine Stellenausschreibung nach Konstanz gekommen ist. Die Universität und das Gespräch mit dem Rektor hätten sie sehr überzeugt und sie ist geblieben (Josef Kerler wollte dies wissen).
Auf eine Anregung von Dr. Jochen Schauenburg, erfahren sie zudem, dass eine Lizenzpartnerschaft mit Unternehmen in Planung sei, um die Studierenden und die Unternehmen zusammen zu bringen. Dies wäre ein weiterer Service, den die Uni anbieten könnte. Geschäftsführer Hans-Jürgen Rockstroh wollte wissen, wie den jungen Leuten der Übergang von Schule zu Studium erleichtert werden könne, damit sie keinen verkehrten Weg einschlagen. Julia Wandt verwies hierzu auf die Studienberatung. Die relativ niedrige Abbrecherquote zeige, dass die Uni gut und klar über die Inhalte der Studiengänge informiere. Genauso wichtig sei die gute Betreuung und Begleitung während des Studiums.
Sogar Sammy, der schwarz-weiße Unikater weiß, dass in Konstanz Naturwissenschaftler, Juristen oder Geisteswissenschaftler nicht allein vom Erfolg in der Exzellenzinitiative profitieren. Forschung und Lehre mit Blick auf Bodensee und Alpen, das gibt es wirklich nur in einer einzigen Universität - nämlich in Konstanz. Und weil Sammy katzenschlau ist, hat er eine eigene Facebook-Gruppe und eine Internetseite: www.uni-kater-sammy.de. Einfach mal reinschauen!
Alle Fotos: Susi Donner. Texte: Susi Donner. Quellen: Live-Vortrag sowie Uni Konstanz. www.uni-konstanz.de