Interview mit Professor Dr. Thomas Dobbelstein, Professor für Marktforschung und Marketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg:: Marketing-Club Bodensee e.V.

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DHBW - Yes we do!

Thomas Dobbelstein ist Professor für Marktforschung und Marketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Ravensburg.

 

Thomas Dobbelstein ist Professor für Marktforschung und Marketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Ravensburg. Im „Marketing trifft...“- Interview berichtet er über das spezielle Marketing, das der DHBW Studenten und den regionalen Unternehmen ihren wissenschaftlichen Nachwuchs sichert.

 

Marketing trifft: Was ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)?

Professor Thomas Dobbelstein: Die DHBW die erste duale, praxisintegrierende Hochschule in Deutschland. Gegründet am 1. März 2009 führt sie das seit über 35 Jahren erfolgreiche duale Prinzip der früheren Berufsakademie Baden-Württemberg fort.

Marketing trifft: Im Marketing-Club Bodensee ist Marketing natürlich DAS Thema. Ist für eine erfolgreiche DHBW Marketing erforderlich?

Professor Thomas Dobbelstein: Die Nachfrage nach Studienplätzen ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Aus rein kommerziellen Gründen eigentlich nur wenig Marketing notwendig. Aber: Marketing an der DHBW ist doch notwendig, um die je nach Studienangebot unterschiedlich starke Nachfrage auf Unternehmens- bzw. Studentenseite auszugleichen. Das Marketing versucht, die bei jeweils einem der beiden Partner höhere Nachfrage auf die andere Seite zu spiegeln. Dieses ausgleichende Marketing im Bereich der Studierenden und der Unternehmen, kommt letztendlich der Region zu gute. Es erhält die Vielfalt und sorgt dafür, dass die Studierenden ein Unternehmen finden und die Unternehmen die benötigten Studenten – und schließlich ihren Nachwuchs. Das Marketing findet in der DHBW grundsätzlich auf unterschiedlichen Ebenen statt. Zum einen übergeordnetes Dach-Marketing und dann natürlich auf der Ebene der einzelnen Standorte.

Marketing trifft: Woran orientiert sich das Marketing an den einzelnen Standorten? Wer ist die Zielgruppe dieses Marketings?

Professor Thomas Dobbelstein: Das Marketing orientiert sich wie immer vorwiegend am Engpassfaktor. Wenn wir uns beispielsweise die Ingenieursstudiengänge ansehen, sehen wir, dass mehr Unternehmen mit uns zusammen arbeiten wollen als wir Studierende haben, die diesen Studiengang wählen. In diesem Fall richtet sich das Marketing an Schulen und Schüler. Wir wollen sie motivieren, sich bei suchenden Unternehmen für Ingenieurstudiengänge zu bewerben. Beim BWL-Studium ist die Situation genau umgekehrt. Viele Studierende wollen dieses Fach, aber es gibt nicht so viele Unternehmen, um diese Nachfrage zu befriedigen. Hier richtet sich das Marketing also stärker an die Unternehmen. Wir wollen sie davon überzeugen, einen DHBW-Studenten bei sich einzustellen.

Marketing trifft: Wie sieht dieses sicher sehr spezielle Marketing aus?

Professor Thomas Dobbelstein: Diese beiden Bedürfnisse erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen. Im Fall der Ingenieursstudiengänge, gehen wir an Schulen, halten Vorträge, nehmen an Bildungsmessen teil, sind dort zu finden, wo die Studierwilligen sind, veranstalten landesweite Infoveranstaltungen. Für die Standorte Ravensburg und Friedrichshafen haben wir das genau so gemacht. Bei der Suche nach Unternehmen für das Betriebswirtschaftsstudium sind die Studiengangsleiter von großer Bedeutung, weil sie ihre Netzwerke nutzen. Der Weg zum BWL-Marketing ist meist Direktmarketing: Professoren sprechen Unternehmensleiter und Ausbildungsleiter der Unternehmen an, stellen ihnen die Duale Hochschule vor. Diese Gespräche sind sehr branchen- und fachspezifisch  – immerhin kann BWL für Handel, Banken, Industrie, Hotellerie, Medien usw. studiert werden. Die Studiengangsleiter argumentieren immer sehr stark aus ihrem Brachenwissen heraus.

Marketing trifft: Mit welchen Argumenten überzeugen Sie die Wirtschaft?

Professor Thomas Dobbelstein: Das wichtigste Argument ist, dass mit dem dualen System der Nachwuchs im eigenen Unternehmen gesichert werden kann. Die persönlichen Netzwerke, beziehungsweise der Bekanntheitsgrad des Professors in der Branche sind hier wichtig. Nur wer einen guten Ruf in der Branche hat, weil er z. B. viel veröffentlicht und mit den aktuellen Anforderungen der Branche vertraut ist, also immer noch ein Bein in der Praxis hat, kann erfolgreiches Marketing machen und mit den Unternehmen auf Augenhöhe sprechen. 

Marketing triftt: Welche weiteren Marketing-Tools stehen Ihnen zur Verfügung?

Professor Thomas Dobbelstein: Beispielsweise Alumni-Arbeit, das heißt, Ehemaligen-Arbeit und bedeutet, die Kontakte zu ehemaligen Studenten in der Branche zu pflegen und zu halten. Denn irgendwann sind die ehemaligen Studierenden selbst in der Position, dass sie Studierende suchen. Und viele, die bei uns studiert haben, denken dann an uns. Diese Form des Marketings macht besonders viel Spaß, ist sehr erfolgreich und interessant. Daneben treten die üblichen Instrument wie Homepage, PR-Arbeit, Vorträge auf Kongressen etc. 

Marketing trifft: Was macht die DHBW zur Marke?

Professor Thomas Dobbelstein: Der Erfolg ihrer Studierenden. Studenten der DHBW machen in der Wirtschaft schnell Karriere. Das ist begründet in der Konsequenz der Verzahnung von Theorie und Praxis. Diese entsteht durch die zahlreichen Lehrbeauftragen, die verantwortliche Posten in der Branche haben und sich sehr gut auskennen. Aber auch unter den Professoren sind viele in Projekte mit Unternehmen eingebunden. Das theoretische Wissen der Professoren ist Basisvoraussetzung – darüber hinaus sind die Studierenden in den Unternehmen später erfolgreicher, wenn auch das Lehrpersonal Ahnung von der Praxis hat. 

Marketing trifft: Was hat letztendlich Wissenschaft mit Marketing und Wirtschaft zu tun?

Professor Thomas Dobbelstein: Die DH ist ein Wissenschaftsinstitut. Das ist sicher richtig. Aber bei uns steht die angewandte Wissenschaft im Vordergrund. Wir betreiben keine Grundlagenforschung, sondern es geht darum, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohl der Unternehmen anzuwenden. Das bedeutet, dass unsere Professoren auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sein müssen, was sie unter anderem dadurch erreichen, indem sie sich an internationalen Kongressen beteiligen und angewandte Forschungspapiere veröffentlichen. Dadurch ist die Verknüpfung gegeben. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die grundsätzliche Voraussetzung um Probleme und Fragestellungen in der Praxis grundlegend und fundiert bearbeiten zu können. Und unsere Studenten können das!

Mehr Infos unter www.dhbw.de oder www.dhbw-ravensburg.de

Das Interview führte Susi Donner

 

 

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg ist die erste duale, praxisintegrierende Hochschule in Deutschland. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg bietet mit 36 Bachelor-Studiengängen ein breit gefächertes Studienangebot in den Fakultäten Wirtschaft und Technik an. Derzeit bilden bundesweit rund 1.150 Partnerunternehmen ihren zukünftigen Fach- und Führungskräftenachwuchs an der DHBW Ravensburg aus.