Marketing trifft: Wie viel Marketing braucht eine Universität, und warum braucht sie heutzutage überhaupt Marketing?
Julia Wandt: Meine persönliche Meinung ist, dass Universitäten heutzutage nicht mehr und nicht weniger Marketing brauchen als Unternehmen oder andere Einrichtungen. Hochschulen stehen im Wettbewerb um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Studierende und Kooperationspartner und sie stehen unter einem Konkurrenz- und Legitimationsdruck um öffentliche Mittel, Forschungsförderung und zusätzliche Mittel, beispielsweise von privaten Geldgebern. Hinzu kommt, dass insbesondere in den vergangenen zehn Jahren, die Anzahl öffentlichkeitswirksamer und von der Politik beförderter Kampagnen zugenommen haben, wie beispielsweise die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, der Wettbewerb „Exzellenz in der Lehre.“ Im Rahmen solcher Programme stehen wissenschaftliche Einrichtungen zusätzlich im Wettbewerb untereinander. Und wo Wettbewerb stattfindet, ist auch Marketing zu finden.
Marketing trifft: Welches sind die Ansprüche, die an Universitätsmarketing gestellt werden?
Julia Wandt: Begriffe wie „Wettbewerb“ und „dynamische Märkte“ waren für wissenschaftliche Einrichtungen bis in die 1980er Jahre hinein noch weitestgehend „Fremdwörter.“ Heutzutage sind sie aber auch für sie wichtige Rahmenbedingungen. Die Übertragbarkeit des „wirtschaftlichen Marketinggedankens“ auf wissenschaftliche Einrichtungen ist sowohl in der Marketingforschung als auch in der Marketingliteratur nicht mehr umstritten. Hochschulen müssen sich den Herausforderungen dynamischer Märkte stellen. Sie müssen sich mehr denn je im Gesellschafts- und Bildungsgefüge behaupten und profilieren. Einerseits um sich im oben genannten Wettbewerb zu bewähren, andererseits um Wettbewerbsvorteile zu generieren, die ihrerseits eine klare Profilbildung erst ermöglichen.
Marketing trifft: Wer ist die Zielgruppe des Marketings? Wer sind die „Kunden“ der Uni?
Julia Wandt: Hochschulen müssen hier meiner Meinung nach die Begriffe „Zielgruppen“ und „Kunden“ konsequent unterscheiden: Während sie vielfältige Zielgruppen haben können, sind „Kunden“ einer Universität – im streng betriebswirtschaftlichen Verständnis – Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft, die kompetente Absolventen und Forschungsergebnisse quasi als „Produkte“ abnehmen. So sind die Studierenden eine sehr wichtige, zentrale Zielgruppe von Universitäten, als „Kunden“ im Marketingverständnis sind sie allerdings nur zu bezeichnen, wenn sie Serviceleistungen einer Universität (wie z. B. Leistungen des Studentenwerks) abnehmen. Studierende sind für Universitäten zudem sehr wichtige „Koproduzenten“, vorrangig im Bereich Lehre.
Marketing trifft: Wie wichtig ist das Marketing für die finanzielle Basis der Uni Konstanz und für die Erfüllung des Forschungsauftrages? Hängen bewilligte Forschungsgelder davon ab?
Julia Wandt: Ja, Marketing ist auch im Bereich der Bewilligung von Forschungsgeldern wichtig für Universitäten. Im Wettbewerb um zusätzliche Mittel und Forschungsförderung ist der Erfolg nicht mehr nur allein von Kreativität und den wissenschaftlichen Leistungen an sich abhängig, sondern zunehmend auch von der Wahrnehmung dieser Leistungen und dem Vertrauen, das der Institution, hier einer Universität, entgegengebracht wird. Hier kann ein gutes Marketing die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die gesamte Universität unterstützen. Als Beispiel nenne ich gern den Erfolg der Universität Konstanz in Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder: Damit verbunden sind zum einen Reputationswirkungen, die im Rahmen des Marketing genutzt werden können, zum anderen ergibt sich aus dem Erfolg für uns aber auch Notwendigkeit und die Verpflichtung zu einem verstärkten Marketing.
Marketing trifft: Was macht die Uni Konstanz besonders, einzigartig?
Julia Wandt: Die Universität Konstanz ist eine interdisziplinäre, flexible und moderne Forschungsuniversität mittlerer Größe: Spitzenforschung, Exzellenz in Lehre und Studium, Internationalität und interdisziplinäre Zusammenarbeit stehen seit ihrer Gründung als Reformuniversität im Jahr 1966 für die Universität. Diese klare Ausrichtung führte früh zu einem unverwechselbaren Profil, das sich nicht nur durch hohe Qualität, sondern auch durch Innovation, Kreativität und engagierte Freude am Forschen auszeichnet. Die „kurzen Wege“ innerhalb der Universität, die dadurch gefördert werden, dass alle Einrichtungen auf dem Campus auf dem Gießberg liegen, tragen wesentlich zur Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit und der guten Abstimmungsprozesse bei.
Marketing trifft: Und was macht sie zur Marke...?
Julia Wandt: Der konsequente Ausbau ihrer Stärken und innovative Konzepte und Ideen trugen wesentlich dazu bei, dass die Universität Konstanz im Oktober 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit ihrem Zukunftskonzept „Modell Konstanz – towards a culture of creativity“ erfolgreich war. Sie zählt damit zu den neun Universitäten, deren „Zukunftskonzepte zum Ausbau universitärer Spitzenforschung“ von Bund und Ländern gefördert werden. Darüber hinaus konnte sich 2007 die Graduiertenschule „Chemische Biologie“ durchsetzen. Bereits in der ersten Ausschreibungsrunde der Exzellenzinitiative im Jahr 2006 wurde das Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen der Integration“ bewilligt. Das alles macht sie zu einer Marke.
Alle Infos zur Universität Konstanz: www.uni-konstanz.de
Das Interview führte Susi Donner
